Boxer vom Hammergrund --- VDH/FCI- Zwinger seit 2014
Boxer vom Hammergrund --- VDH/FCI- Zwinger seit 2014

Mein Name ist Biggi. Am 09.06.1995 erblickte ich im Zwinger "Von der Rabenleite" (kein VDH/FCI- Zwinger) zusammen mit 4 Brüdern und 4 Schwestern das Licht der Welt.

Schnell interessierten sich Leute für mich, ich wäre eine typvolle tricolorfarbene Hündin hörte ich die Menschen sagen.

Die Zeit bei Mama war kurz und schon auf der Fahrt in mein neues zu Hause wurde mir klar dass mich keine Hundecouch und versilberte Futternäpfe erwarten würden.

Ich war nicht als der Schmusebeagle auserkohren, um den die Leute auf der Straße meine Besitzer beneideten weil ich so süß war, meine Bestimmung war es möglichst viele Welpen zu produzieren in kürzester Zeit.

Mein neues zu Hause- eine große alte Scheune- sieht von außen nach viel Auslauf aus...

...von Innen zeigte sich dann dass die große Scheune viel Platz für viele viele Zwinger und Hunde bot.

Was für ein Gebell, ich habe Angst- lasst mich bitte nicht hier allein, ich bin noch so klein und alles ist neu, die vielen  anderen Hunde machen mir Angst....

Nach 1-2 Wochen gewöhne ich mich so langsam an das alles hier, trotzdem macht mich das alles hier sehr traurig, Keiner der mich hier als etwas Besonderes ansieht, Niemand der liebevoll über meinen Kopf und Rücken streichelt, Keiner der mit mir redet, mit mir spielt, für mich da ist.... nur die anderen Hunde, denen es genauso geht.

Hier gibt es noch Hunde die viel größer sind als ich und die so garnicht aussehen wie Beagle. Auch gibt es hier Hunde, die sind ausgewachsen und nur knapp größer als ich jetzt mit meinen 9 Wochen. Einige von den Hunden haben Welpen, in einer Ecke liegen 2 Tote aus dem einen Wurf.

Der Geruch in der Scheune ist unangenehm und steigt mir in die Nase- er macht mich traurig- wieso bleibt mir die große weite Welt verwehrt? Was habe ich verbrochen?

Ein Tag ist wie der andere hier. Das Highlight des Tages ist die Futterzeit und wenn wir uns einmal am Tag kurz im Hof vor der Scheune die Beine vertreten können.

Ein paar Monate sind ins Land gegangen, ich bin gewachsen, aber es geht mir garnicht gut- ich bin krank und mein Herrchen, das ich sonst nur zur Fütterungszeit zu Gesicht bekomme setzt mich in eine Box und fährt mit mir Auto- so wie am Tag, als er mich hierher holte. Bekomm ich jetzt doch ein neues schönes zu Hause?

Nein... er hat mich zum Tierarzt gebracht. Dieser stellt fest dass ich mir die Nieren verkühlt habe und gibt meinem Besitzer Antibiotika mit, außerdem ermahnt er ihn dass ich immer noch keine Komplettimpfung besitze und das mit 5 Monaten...

Mein Besitzer winkt ab, verstaut mich wieder im Auto und fährt jetzt einen anderen Weg. Er scheint es eilig zu haben, er fährt vel zu schnell, flucht über die anderen Autofahrer und schlussendlich halten wir an einem Haus wo vorn ein großes Fenster verbaut ist. Hinter diesem Fenster sind Hundewelpen zur Schau gestellt und oben an einem Schild stehen Preise für die jeweilige Rasse. Auch ein kleiner beagle ist dabei....

 

Der Mann nimmt mich mit in den Laden, in dem es nach dem Futter riecht, das es jeden Tag gibt, stellt mich in eine dunkle Ecke mit meinem Käfig und es vergehen Stunden über Stunden.

Endlich kommt er mich holen und wir fahren nach Hause. Dort angekommen steckt er mich nur schnell in meinen Zwinger und geht dann ins Haus... er hat vergessen mich zu füttern und auch meine Arznei hab ich nicht bekommen...

Nach drei langen Wochen wird meine Nierenbeckenentzündung langsam besser, mein Besitzer hat mir die Arznei immer mal gegeben und dann wieder nicht, was zu einem ständigen Hoch und Runter meines Zustandes geführt hat, naja jetzt wirds ja...

 

Nun bin ich 8 Monate und ich merke dass sich etwas verändert. Ich höre mein Herrchen mit seiner Frau reden und bekomme mit wie er sagt dass es nun langsam Zeit für mich wird.

Wie meint er das?

Am anderen Tag bekomme ich Gesellschaft von einem Beaglerüden. Wir mögen uns. Es ist schön endlich mal ein wenig Kontakt zu einem anderen Hund zu haben. Er teilt sich nun die kommenden 2 Wochen den Zwinger mit mir.

2 Monate später erblicken meine ersten Welpen das Licht der Welt. Alle gesund. Ich genieße die Zeit mit den Kleinen und versuche mir etwas Zuneigung zurückzuholen.

8 Wochen später... einer nach dem anderen verlässt mich und als auch der letzte Rüde geht wird es wieder still in meinem Herzen... alles ist wie vorher.

 

7 Jahre später...

 

Ich bin alt geworden.... Mein Gesäuge hängt bis zum Boden, immer noch ist die tägliche Fütterungszeit das Highlight überhaupt.

Ich bin nun über 7 Jahre und habe bis zu diesem Zeitpunkt ca. 80 Welpen das Leben geschenkt...

Aber irgendwas ist heute anders... das spüre ich...

 

Mein Besitzer holt mich aus dem Zwinger- zu einer total untypischen Zeit, und ich habe auch noch nichts zu futtern bekommen. Ich laufe in den Hof, sehe kurz dass da 3 Leute stehen, aber eigentlich interessiert mich viel mehr wo ich jetzt etwas zu fressen bekomme. Ich schnüffel kurz und schon steigt mir dieser Brotgeruch in die Nase...

...kaum habe ich das Brot erschnüffelt hängt es auch schon in meinem Kiefer und ich versuche mich zu verdünnisieren dass ich mir das Brot schmecken lassen kann.

Doch da kommt mein Besitzer, nimmt es mir aus dem Maul, macht mir Halsband und Leine drum und führt mich zu den Menschen- eine Frau, ein Mann und ein junges Mädchen.

Er sagt ihnen dass ich 5 sei und dass sie mich haben könnten.

Das Mädchen nimmt mich zur Seite und redet mit mir. Jetzt weiß ich garnicht wie mir geschieht, ich glaube es hat noch nie ein Mensch so direkt mit mir gerdet. Die Leute verabschieden sich von meinem Besitzer, packen mich ins Auto und nehmen mich nach Hause.

Alles ist hier anders und neu. Ich darf mit im Haus schlafen, hab ein Hundekörbchen, darf aber auch mit ins Bett, aufs Sofa und habe nun doch noch versilberte Näpfe und niemand sperrt mich weg in eine große Scheune, ich darf den ganzen Tag mit meinen Menschen verbringen. Womit habe ich das jetzt auf einmal verdient?

Die ersten Wochen bin ich sehr unsicher, weil ich vieles garnicht kenne- die regelmäßigen Fütterungszeiten, die Spaziergänge, andere Tiere, Wasser, viele Menschen auf einen Haufen....

 

4 Monate später...

 

Mein Leben hat sich nun um 180 Grad gewendet und ich fühle mich hier sehr wohl. Das junge Mädchen ist mein bester Freund geworden und kümmert sich um mich als wäre ich das Beste was ihr je passiert ist. Jeden Tag geht es  zweimal spazieren, raus in den Wald, oder auf Wiesen, oft sind meine Hundefreunde Susi und Emmely mit dabei.

Trotz dass es mir hier so gut geht kann ich die Zeit nicht vergessen... Immer wieder gibt es Situationen, die mir Angst machen und ich mich daraufhin in eine stille Ecke verziehe und uriniere... meine Form eines Konfliktbewältigungsversuchs.

Mein neues Frauchen hat mittlerweile die Tätonummer in meinem Ohr entdeckt, laut Vorbesitzer bin ich 5 Jahre, er hat weder Impfausweiß noch irgendetwas anderes mitgegeben.

Nun ist sie schon neugierig- was war vor ihrer Zeit in meinem Leben los?

Wie gut dass es das Internet gibt, sie gibt die Buchstaben und Zahlen, die in meinem Ohr vermerkt sind in die Suchmaschine ein und wird tatsächlich fündig. Nun weiß sie dass ich eine "von der Rabenleite" bin und findet im Internet einen Bruder aus meinem Wurf- Baron Henry von der Rabenleite.

Als nächstes nimmt sie Kontakt zu Baron Henrys Frauchen auf und ist ziemlich wütend auf meinen alten Besitzer, als sie hört dass ich bereits 7 bin und nicht 5, wie er es doch angeprisen hatte.

Naja egal, denkt sie sich, fordert meine Ahnentafel bei diesem dubiosen Zuchtverband an und bekommt sie, natürlich gegen entsprechendes Geld zugeschickt, wäre ja mal interessant zu wissen was mit meiner alten Originalahnentafel geworden ist...

Denkt sich Frauchen auch und schreibt meinem alten Besitzer einen Brief: mit Fotos und wies mir geht und ob er etwas über mein vorheriges Leben erzählen würde und was sie denn rausgefunden hat.

Hm... nun kann sich sicher Jeder denken was jetzt kommt- es kommt natürlich keine Rückantwort, bis heute nicht- komisch wenn man nichts zu verbergen hat....

 

2 1/2 Jahre später...

 

Nun bin ich fast 10. Ich hatte 3 gute Jahre und bin jetzt ein ganz anderer Hund. Zwischenzeitlich bin ich kastriert worden. Mein neues Leben gibt mir soviel Mut und Kraft dass ich jetzt zum Leidwesen von Frauchen Beagletypisch Fremden schon fast übermütig mit Gebell entgegenkomme.

Doch da gibt es etwas das nicht so toll ist- in letzter Zeit fange ich, wenn ich in Ruhe komme, an zu husten. Mein Frauchen nimmt mich mit auf Arbeit in die Tierarztpraxis und hier wird ein Herzproblem festgestellt. Ich werde auf Herzmedikamente gestellt und es geht mir damit sehr gut. Nur leider nicht allzu lang. Immer wieder müssen die Dosen erhöht werden, denn ich habe viel Wasser im Bauch und drohe zu ersticken, bekomme ich nicht die nötige Dosis Entwässerung.

 

Aufgrund der hohen Dosis Entwässerungsmedikation verspüre ich ständig Harndrang und muss so gut wie jede Stunde raus oder aber ich kann es einfach nicht halten. Mein Frauchen kämpft tapfer mit mir, steht Nachts 2-3 mal auf,damit ich mich erleichtern kann...

 

 

Es ist eine kalte Februarnacht. Frauchen ist krank und liegt auf dem Sofa. Ich würde ihr gern Trost spenden, aber ich kann nicht. Ich spüre dass etwas nicht stimmt mit mir. Ich atme schneller und schneller und bekomme Angst weil mir das Wasser im Bauch die Luft nimmt...

Frauchen beobachtet mich schon den ganzen Abend, hat mir die Entwässerungsdosis nocheinmal erhöht, aber diesmal will es einfach nicht besser werden.

Sie fängt an zu weinen, weil sie weiß was das jetzt für mich bedeutet.

Sie ruft in der Tierarztpraxis an und fragt ob es möglich wäre zu kommen, da es ja schon spät ist.

 

Am 17.02.2006 schlafe ich für immer ein, erlöst von Frauchen und dem Tierarzt, denn ich wäre in dieser Nacht an einem qualvollem Erstickungstod gestorben. Bevor mein Herz für immer aufhört zu schlagen zieht mein Leben im Zeitraffer an mir vorbei und ich weiß- es wahr wert hier auf Erden zu weilen, weil ich 3 1/2 schöne letzte Jahre hatte.

Liebes Frauchen, sei nicht traurig, ich werde immer bei dir sein und bin froh dass ich DEIN HUND sein durfte.

In tiefster Liebe

 

deine Biggi

 

 

Biggi liegt bei uns im Garten beerdigt. Ihr Grab wird gehegt und gepflegt und immer wenn ich traurig bin oder einfach ein paar klare Gedanken fassen muss gehe ich zu ihr.

Ihr Verlust war das Schlimmste was mir in meinem Leben bis jetzt passiert ist und ich habe sie bis heute- fast 5 Jahre danach, nicht vergessen. Der Glaube daran, dass ich sie und alle Hunde die ihr vor mir folgen werden, irgendwann wieder sehe, hat mir geholfen über ihren Verlust hinwegzukommen.

Mein Mädchen, ich werde dich nie vergessen und freue mich auf dich- irgendwann...

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